Pfarrer Borries schreibt zu Ostern in der Corona-Krise:

Zum Beginn der Kar­wo­che in schwie­ri­gen Zei­ten schi­cke ich Ihnen allen einen herz­li­chen Gruß aus Müns­ter. Müns­ter – hier soll ja auch der nächs­te West­fä­li­sche Pfarr­tag am 8. Juni statt­fin­den. Ob das gelingt, weiß heu­te nie­mand. Gleich­wohl hal­te ich so lan­ge wie mög­lich an die­sem Ter­min fest, allein schon auf­grund des Ter­min­ka­len­ders unse­res her­vor­ra­gen­den Refe­ren­ten Dr. Heri­bert Prantl. Was er, gera­de in den letz­ten Wochen, in sei­ner Kolum­ne in der SZ  geschrie­ben hat, ist des Lesens wert. Beson­nen­heit, Wach­sam­keit im Hin­blick auf die Grund­rech­te, der Blick über den Tel­ler­rand ange­sichts des Nach­rich­ten-Tsu­na­mis Coro­na. Beson­nen­heit ist nicht nur bei Prantl das Stich­wort, son­dern auch mein Anlie­gen. Vie­le Gerüch­te machen auch im kirch­li­chen Raum die Run­de. Wer auf dem Lau­fen­den ist, weiß natür­lich, dass wir im Raum der Kir­che, genau­so wie in staat­li­chen Bereich, kurz­fris­tig mit deut­lich weni­ger Ein­nah­men, sprich Kir­chen­steu­ern zu rech­nen haben. Jetzt zahlt es sich aus, dass in der EKvW in den letz­ten Jah­ren eher eine kon­ser­va­ti­ve Haus­halts­po­li­tik gefah­ren wur­de. Wenn das Land NRW vie­len Men­schen die Ein­kom­mens­steu­er stun­det, dann kommt sie natür­lich auch bei uns in der Kir­che erst mit Ver­spä­tung an. Das ist nur ein Bei­spiel für die vie­len Unwäg­bar­kei­ten, mit denen alle in die­sen Wochen zu rech­nen haben. Grund zur Unbe­son­nen­heit, dazu, irgend­wel­chen Fake News auf den Leim zu gehen, besteht gleich­wohl nicht. Ein Blick auf die Situa­ti­on in ande­ren Län­dern zeigt, dass in unse­rem Land die Aus­sicht auf eine Rezes­si­on kei­nes­wegs auf die leich­te Schul­ter zu neh­men ist, aber auch, dass sie zu han­deln und zu bewäl­ti­gen ist. Unse­re Got­tes­diens­te, die Seel­sor­ge, unge­zähl­te Ange­bo­te der tat­kräf­ti­gen Hil­fe kom­men in die­sen Wochen auf ganz unge­wohn­te Wei­se bei den Men­schen an. Aber sie kom­men an. Klick­zah­len für Inter­net­auf­trit­te zei­gen, dass das eine oder ande­re Mal sogar die gewohn­ten Besu­cher­zah­len für die Sonn­tags­got­tes­diens­te über­trof­fen wer­den. Sol­che digi­ta­len Ange­bo­te kön­nen nie­mals das gewohn­te Bei­sam­men­sein im Got­tes­dienst oder in den Gemein­de­grup­pen erset­zen und doch erfah­ren unse­re Gemein­de­glie­der: Kir­che ist prä­sent, mei­ne Gemein­de vor Ort ist für mich da. Mit die­ser Mischung aus Beson­nen­heit und Zuver­sicht kön­nen wir alle auf das Oster­fest zuge­hen. Wer, wenn nicht wir Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer grün­den unse­re beruf­li­che, ja, Lebens­e­xis­tenz, auf der Gewiss­heit, dass das alles ent­schei­den­de JA Got­tes am Oster­mor­gen gesche­hen ist? Die­se Zuver­sicht möge Sie alle bei Ihrer Beglei­tung trau­ern­der, zwei­feln­der und von Sor­gen um den Beruf geplag­ter Men­schen beglei­ten. Ich wün­sche Ihnen, Ihren Fami­li­en, dies­mal lei­der fern und nah, ein geseg­ne­tes Oster­fest und grü­ße Sie herz­lich!

Ihr

Jan-Chris­toph Bor­ries