Kursfahrt des Vikariatskurses

Bericht über die Vika­ri­ats­kurs­fahrt nach Süd­afri­ka 2019

Zwei Wochen waren west­fä­li­sche und rhei­ni­sche Vikar*innen auf Kurs­fahrt in Süd­afri­ka unter­wegs. Unter dem The­ma „Trans­for­ma­ti­on als eine Her­aus­for­de­rung für die Gesell­schaft: Von Dis­kri­mi­nie­rung und Ras­sis­mus hin zu Diver­si­tät und Inklu­si­on“ bereis­ten wir ein Land der Wider­sprü­che. Arme und Rei­che, Schwar­ze, Colou­reds und Wei­ße leben in einem Land, das seit mehr als 25 Jah­ren ver­sucht die Kon­se­quen­zen des Apart­heid-Regimes zu über­win­den. Die Sche­re zwi­schen Arm und Reich ist so groß wie in fast kei­nem ande­ren Land. Eini­gen Men­schen ist es wich­ti­ger, dass der eige­ne Pool voll Was­ser ist als dass die ärms­ten der Armen im Town­ship neben­an Zugang zu flie­ßen­dem Was­ser haben.

In all die­sen Wider­sprü­chen durf­ten wir aber auch Hoff­nungs­ge­schich­ten hören und erle­ben. Dia­ko­ni­sche Pro­jek­te wie die Out­re­ach Foun­da­ti­on in Hill­brow (Johan­nes­burg), die New World Foun­da­ti­on in Laven­der Hill (Kap­stadt) oder St. Peter’s Child Care (Johan­nes­burg) sind nur ein­zel­ne Bei­spie­le für einen hoff­nungs­vol­len Blick in die Zukunft. Es han­delt sich dabei um Pro­jek­te, die sich der Kin­der und Jugend­li­chen und teil­wei­se der gan­zen Fami­lie anneh­men, ihnen einen Ort der Gemein­schaft und zur per­sön­li­chen Ent­wick­lung oder gar ein neu­es Zuhau­se geben. Berei­chernd waren ins­be­son­de­re die Gesprä­che mit den bei­den Anti-Apart­heid-Theo­lo­gen John de Gru­chy und Edwin Arri­son, die maß­geb­lich zum Kai­ros Doku­ment[1] bei­getra­gen haben. Auch das Gespräch mit Horst Klein­schmidt, Nach­fah­re eines rhei­ni­schen Mis­sio­nars und ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter im Chris­ti­an Insti­tu­te unter Bey­ers Nau­dé[2] sowie zeit­wei­se legal guar­di­an[3] der Kin­der von Nel­son Man­de­la, war sehr erhel­lend hin­sicht­lich der schwie­ri­gen Kolo­ni­al­ge­schich­te und deren Aus­wir­kun­gen bis heu­te.

Neben die­sen und wei­te­ren Gesprächspartner*innen war ein High­light unse­rer Rei­se die Begeg­nung mit den Part­ner­kir­chen der VEM. Wir haben jun­ge Pfarrer*innen aus der URCSA (Unit­ing Refor­med Church South Afri­ca) und RCSA (Rhe­nish Church South Afri­ca) getrof­fen und sind mit­ein­an­der ins Gespräch gekom­men. Beson­ders inter­es­sant war, dass wir neben vie­len Unter­schie­den auch ähn­li­che Pro­ble­me als ange­hen­de Pfarrer*innen tei­len. So keh­ren hier wie dort gera­de die jun­gen Men­schen der Kir­che den Rücken. Die Got­tes­diens­te in den ver­schie­de­nen Gemein­den wur­den gemein­sam gestal­tet und es gab für eini­ge von uns die Mög­lich­keit dort auf Eng­lisch zu pre­di­gen.

Nun bli­cken wir sehr berei­chert und voll von Ein­drü­cken auf die zwei gemein­sa­men Wochen zurück. Mögen uns die Ein­bli­cke und der Aus­tausch hier in unse­rer Arbeit in Deutsch­land prä­gen und uns bewuss­ter Öku­me­ne leben las­sen.

Ein Dank geht an den west­fä­li­schen Pfarr­ver­ein, der die­se Rei­se finan­zi­ell unter­stützt hat.

Vika­rin Nele Kai­ser


[1] Hier­bei han­delt es sich um ein theo­lo­gi­sches State­ment der Kir­chen gegen die Apart­heid in Süd­afri­ka. Es wur­de am 21. July 1985 ver­öf­fent­licht. Es ist bis heu­te unklar, wer es geschrie­ben hat, aller­dings wur­de es von 150 Men­schen unter­zeich­net. 

[2] Bey­ers Nau­dé wur­de zu einem strik­ten Geg­ner des Apart­heid-Regimes und als ers­ter Wei­ßer in die­ser Zeit unter Bann gestellt. Er wur­de Lei­ter des Chris­ti­an Insti­tu­te in Süd­afri­ka und spä­ter Nach­fol­ger Des­mond Tutus als Gene­ral­se­kre­tär des Süd­afri­ka­ni­schen Kir­chen­ra­tes.

[3] Erzie­hungs­be­rech­ti­ger.